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  • Tierärztliche Ausbildungspraxis. Dr. Uwe Urban

    Zahnerkrankungen bei Pferden und wie Sie sie erkennen können.

        Haken...
        ...sind die Zahnüberstände, die sich am esten Prämolar und am letzten Molar bilden. Die Haken können extrem lang und scharf werden und die Zunge und die Maulschleimhaut verletzen. Dauert dieser Zustand länger an, kommt es zu chronischen Entzündungen und erheblichen Schmerzen. Durch Abraspeln und Glätten der Haken können die Probleme beseitigt werden.
        Kanten...
        ...sind Zahnüberstände am seitlichen Rand des Zahnes. Ab einem gewissen Alter sind sie bei jedem Pferd festzustellen. Sie entstehen durch eine ungenügende Durchführung des Mahlvorganges. Sind die kreisenden Mahlbewegungen nicht ausreichend, was bei der heutigen Fütterung der Pferde häufig ist, entstehen an den Außenseiten der Oberkieferbackenzähne und an den Innenseiten der Unterkieferbackenzähne Kanten. Diese verletzen die Backenschleimhaut, der Schmerz vermindert weiter die Kauintensität, was wiederum die Kantenbildung fördert. Diese Kanten müssen entfernt werden um einen optimalen Kauvorgang zu gewährleisten.
        Meißelzahn
        Als Meißelzahn wird ein überlanger Zahn bezeichnet. Er kann durch das Fehlen eines Zahnes oder durch eine Gebissfehlstellung (Über- oder Unterbiss), wodurch der Gegenspieler nicht mehr abgenutzt aber ständig weiter nachgeschoben wird, entstehen. Der Gegenspieler schiebt irgendwann in die Zahnlücke und blockiert den Kauvorgang. Die Folge ist eine verminderte Beweglichkeit beim Mahlen und somit die zusätzliche Bildung von Haken und Kanten. Vermieden werden können diese Probleme durch ein regelmäßiges (2x/Jahr) kürzen des Zahnes ohne Gegenspieler.
        Wellengebiss, Treppengebiss, Stufengebiss
        Diese Gebissformen zeigen einen Well-, Treppen- oder Stufenförmigen Verlauf der Kauffläche der Backenzähne, wodurch die kreisförmige Mahlbewegung behindert wird. Korrigiert werden kann dies durch ein Abschleifen der Wellberg, Treppen und Stufen.

    Anomalien bei der Zahnentwicklung und dem Durchbruch

        Überbiss
        Der Unterkiefer ist kürzer als der Oberkiefer, was zu einem Überbiss führt. Es kommt je nach Ausprägung zu einem mangelhaften Zahnschluss vor allem im Schneidezahnbereich. Diese Pferde neigen zu periodontischen Erkrankungen an den Schneidezähnen und zu überlangen Haken an den ersten Vorbackenzähnen und letzten Backenzähnen.
        Unterbiss
        Der Oberkiefer ist kürzer als der Unterkiefer, was zu einem Unterbiss führt. Die Zahnprobleme sind die gleichen wie beim Überbiss.
        Milchzahnkappen
        Als Milchzahnkappen bezeichnet man die Reste der Milchzähne auf den durchgebrochenen bleibenden Zähnen. Normalerweise fallen sie nach dem Zahndurchbruch aus und verursachen keine Probleme. Lose oder verschobene Milchzahnkappen sollten daher entfernt werden. Eingekeilte Milchzahnkappen vor allem am 4. Prämolar, können das Schieben des darunterliegenden bleibenden Zahns behindern. Dieser wächst dann Retrograd (=in die verkehrte Richtung) und führt zu "Bumps".
        Bumps
        Als Bumps bezeichnet man harte knöcherne Schwellungen am Unterkiefer. Seltener treten sie auch am Oberkiefer auf. Sie können während der Anlage der bleibenden Zähne entstehen (meist zwischen 2- und 6. Lebensjahr) und verschwinden in der Regel wieder von alleine. Häufig muss man eine verkeilte Milchzahnkappe entfernen oder im Kronenbereich dem durchbrechenden Zahn mehr Platz veschaffen. In seltenen Fällen kam es zu einer Infektion des Knochens und der Zahnanlage kommen. Die Bumps sind dann äußerst schmerzempfindlich und entwickeln einen Fistelkanal, aus dem eitriges Sekret abfließt.
        Zahnwurzelentzündung mit Fistelkanal
        Embryonale Zahnanlage mit Ohrrandfistel
        Infindibularkaries
        Hengstzahnkrankheiten
        Wolfszähne
        Schneidezahnkrankheiten
        Periodontalkrankheiten
        Kieferchirurgie

    Tierärtzliche Weiterbildungsstätte gem. § 5 der Weiterbildungsordnung (WBO) für Tierärzte in Bayern im Bereich "Zahnheilkunde" (Pferde und Kleintiere). 23.04.2008